Groningen, niedersächsisch Grönnen, ist die Hauptstadt der Provinz Groningen in den Niederlanden. Die Stadt hat auf einem Gebiet von 76,77 km² rund 180.000 Einwohner (2006, mit dem Umland 350.000) und liegt an den Kanälen Winschoterdiep, Noord-Willemskanal, Van Starkenborghkanaal und am Eemskanaal, der die Stadt mit Delfzijl an der Emsküste verbindet. In Groningen befindet sich eine Universität. Außerdem befindet sich in Groningen eine Fachhochschule, die Hanzehogeschool. Des Weiteren ist Groningen Partnerstadt von Oldenburg (Niedersachsen).
Geschichte
Die Stadt Groningen oder Cruninga – wie sie früher hieß - entstand aus einem losen Zusammenschluss von drei oder vier verstreut gelegenen Bauernhöfen. Die ersten Spuren können auf ca. 300 v. Chr. datiert werden. Ab 600 bis 700 n. Chr. gab es eine feste Besiedlung des Gebietes der heutigen Innenstadt – „de Grote Markt“ (deutsch: der Große Markt). Die erste namentliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1040.
Groningen liegt am nördlichen Ende des „Hondsrug“ (nicht zu verwechseln mit dem Hunsrück), einer sandigen Erhebung mitten im ehemals ausgedehnten Moor, die sich vom „Drentschen Plateau“ bis zum „Hogeland“ zieht und in früherer Zeit die einzige Verbindung dieser beiden Gebiete war. Durch ihre Lage konnte die Stadt eine zentrale Bedeutung in der Region erlangen. Viele Kaufleute, die mit England und den Ostseeländern handelten, ließen sich hier nieder. Bis zum 17. Jahrhundert – dem „Goldenen Zeitalter“ der Niederlande hatte Groningen sich zu einem blühenden Handelszentrum entwickelt, nicht zuletzt, da es hier ein Gericht gab, das auch für die umliegenden Gebiete zuständig war. 1594 wurde Groningen zusammen mit den umliegenden Gebieten ein Teil der Republik der Vereinigten Niederlande.
1672 versuchte der Bischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen die Stadt durch Belagerung und Kanonenbeschuss zu besetzen. Sein Faible für die Artillerie brachte ihm den Spitznamen „Bommen Berend“ („Kanonenbernhard“) ein. Am 28. August 1672 konnte sein Angriff abgewehrt werden. An dieses Ereignis erinnert in Groningen bis heute ein lokaler Feiertag mit vielen Aktivitäten.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt erhebliche Schäden. Als im April 1945 die Alliierten Groningen erreicht hatten, stießen sie auf heftigen Widerstand der deutschen Besatzungstruppen. Ein Teil der Innenstadt musste durch heftige Straßenkämpfe erobert werden. Die Bauten, die danach im Rahmen des Wiederaufbaus entstanden waren, sind inzwischen Gegenstand heftiger Debatten. Viele wollen sie durch Schöneres ersetzen.
Aus der Region Groningen stammt die Pferderasse „Groninger“.
Sehenswürdigkeiten Der Martiniturm Der Martiniturm Groninger Museum Groninger Museum
Die Universität in der Innenstadt, das Akademiegebouw, ist sehr sehenswert. Sie wurde vom gleichen Architekten wie das Bremer Rathaus gebaut. Außerdem gibt es den 97 m hohen Martiniturm, erbaut zwischen 1469 und 1482 aus Bentheimer Sandstein (Bad Bentheim) und die dazugehörende Kirche am „Grote Markt“.
Ebenfalls herausragend ist das 1994 eingeweihte und von dem Designer Alessandro Mendini in Zusammenarbeit mit den Architekten Michele de Lucchi, Philippe Starck und Coop Himmelb(l)au entworfene Groninger Museum. Sein eigenwilliges Design und die interessante Lage im Wasser sorgten für internationales Aufsehen. Gezeigt werden, neben wechselnden Ausstellungen, auch Exponate der Vor- und Frühgeschichte der Provinz Groningen und die sehenswerte Sammlung chinesischen Porzellans.
Politik
Der Gemeinderat hat 39 Sitze und wird für vier Jahre gewählt. Die sozialdemokratische PvdA ist die größte Partei mit zwölf Sitzen. Die SP ist, mit sieben Sitzen zweite. Seit dem 26. April 2006 sind sie zusammen mit GroenLinks (5 Sitze) in der Koalition. Die liberale VVD (5 Sitze) und das CDA (3 Sitze) sind nach der Gemeinderatswahl viel kleiner und führen die Opposition. D66, ChristenUnie und die Stadspartei haben je zwei Sitze, die Partei Student und Stadt einen.
Verkehr
* Öffentlicher Nahverkehr:
In der Stadt laufen Planungen für die Wiedereinführung der Straßenbahn. Man erhofft sich dadurch noch mehr Umsteiger vom Auto auf den umweltfreundlichen Nahverkehr.
* Radverkehr:
Nach einer europaweiten Untersuchung des VCÖ ist Groningen der Spitzenreiter, was den Anteil des Fahrrads am Verkehr betrifft. Etwa 50 Prozent der Wege werden hier mit dem Rad zurückgelegt, verglichen mit Amsterdam und Bremen (22 %) oder München (15 %) und Berlin (10 %).
* Autoverkehr:
Hinsichtlich des Autoverkehrs wird überlegt, Autofahrern nur Fahrten in die Innenbezirke zu gestatten, wenn mindestens eine zweite Person das Auto mitbenutzt, das eigentliche Stadtzentrum ist sogar ganz autofrei.
* Straßenanbindung:
In Ost-West-Richtung verläuft die Autobahn A7 und in Nord-Süd-Richtung die A28.
* Eisenbahn:
Außerdem liegt Groningen an der Eisenbahnstrecke von Leeuwarden nach Deutschland (Ost-West-Verbindung, Bahnstrecke Leer–Groningen) und Richtung Süden über Assen nach Meppel. Außerdem zweigen Richtung Norden zwei Nebenstrecken ab; die eine führt nach Delfzijl und die andere nach Hefshuizen.
* Flugverkehr:
Groningen besitzt einen kleinen Flughafen.
Universität Gebäude der Universität Groningen Gebäude der Universität Groningen
Die altehrwürdige Rijksuniversiteit Groningen (RUG) blickt auf eine nahezu vierhundertjährige Geschichte zurück und hat sich als Forschungsstätte international einen guten Ruf erworben. Insbesondere die medizinische, juristische und sprachwissenschaftliche Fakultäten sind hierbei zu erwähnen.
Alljährlich findet die KEI-Woche (KEI = Kommission für die Einführung der Studienanfänger) statt. Gruppen von rund zehn Neulingen unter der Führung von zwei älteren Kommilitonen (den sogenannten KEI-Leitern) erleben zahlreiche Aktivitäten und Festlichkeiten. Auf einem Informationsmarkt laden die verschiedenen Studentenvereinigungen ein. Auch die Kultur- und Sporteinrichtungen werden vorgestellt.
Kultur- und Freizeit Die Aa-kirche Die Aa-kirche
Das Freizeitangebot in Groningen ist vielfältig. So hat die Stadt einige interessante Museen zu bieten. Neben dem oben erwähnten „Groninger Museum“ können das „Natuurmuseum“, das „Noordelijke Scheepvaartmuseum“ mit Tabakmuseum, und das „Universiteitsmuseum“ besucht werden. Ein besonderer Höhepunkt ist auch das „Nederlandse Stripmuseum“ - das Niederländische Comic-Museum.
Jedes Jahr locken das Popfestival „Noorderslag“ und das Theaterfestival „Noorderzon“ Tausende von Besuchern.
In der verkehrsberuhigten Innenstadt mit ihren vielen Fußgängerzonen und Straßencafés lässt es sich angenehm einkaufen.
Für Nachtschwärmer öffnen unzählige Kneipen ihre Pforten. Im „Osterpoort“ und in der „Stadsschouwburg“ kommen Konzert- und Theaterbegeisterte auf ihre Kosten. Die Discotheken der Stadt befinden sich am Grote Markt und in der Poelestraat. Vor allem donnerstags kommen die Nachtschwärmer auf ihre Kosten, denn dann lautet das Motto in sämtlichen Discotheken und Kneipen unisono: "Studentenavond". Die zahlreichen in Groningen Studierenden ziehen dann in ungeahnten Massen durch die Innenstadt, auf der Suche nach Amusement, bis in die späten Morgenstunden. Direkt am Grote Markt befindet sich die größte Kneipe Europas, das Drie Gezusters. Auf 4 Etagen erstrecken sich 20 Bars, darunter eine 30 m lange Theke. Die bekanntesten Discotheken sind das Palace, der Blauwe Engel, De Tapperij und das Molly Malones.
Das Holland Casino betreibt hier eine seiner zwölf Filialen.
Die größte Tageszeitung von Groningen ist das Dagblad van het Noorden